die kosmische überlagerung (in german)
Die Kosmische Überlagerung und das naturwissenschafliche Weltbild im Spätwerk von WR

(ein Beitrag von Christoph Keller hervorgegeangen aus den Notizen zu dem Vortrag „Die Kosmische Überlagerung",  gehalten an der Wissenschaftsakademie Berlin für den Studiengang Naturwissenschaft 10/2004 unter Einbeziehung diverser Textpassagen aus dem gleichnamigen Buch von Wilhelm Reich.)
 

„So trifft der unbeirrbare Drang zu forschen irgendwo im weiten Raum mit der religiösen Überzeugungen zusammen", schreibt Reich 1949 im ersten Kapitel der „Kosmischen Überlagerungen". Das gilt natürlich auch für sein eigenes Spätwerk, in dem er versucht, die sexualpsychologischen Erkenntnisse seiner Orgonforschung zu einer Universalwissenschaft zu erweitern. Obwohl einiges darin sich auf den ersten Blick etwas skurril wirken mag, sind seine Theorien nicht einfach zu falsifizieren. Selbst da nicht, wo er z.B. über die Möglichkeiten von orgonomischen Raketenantrieben von UFOs spekuliert, denn Reichs befolgt streng die Regeln und Methoden der Naturwissenschaft und sein Theoriegebäude ist weitgehend konsistent, d.h. ohne inneren Widerspruch. Reich's Spätwerk basiert auf einer Fundamentalkritik der Newton'schen Physik und stellt damit ein Angriff auf den Wissenschaftsbegriff der westlichen Welt insgesamt dar. Er geht davon aus, dass der Energieerhaltungssatz der Physik per Definition eine entscheidende Energie auslässt: die Lebens- oder Sexualenergie, die er Orgon nennt - und dass diese Lücke als blinder Fleck seit langer Zeit unser gesamtes Denken durchzieht. Dadurch kommt es zu einer Aufspaltung in eine Welt der toten Materie (d.h. der wissenschaftlich belegbaren Dinge) und in eine flüchtige Welt der Sinne. Diese Spaltung aufzuheben ist Reich in seinem Spätwerk angetreten. Wer ihm folgen will muss jedoch bereit sein, den festen Grund des gewohnten Denkens zu verlassen.

 

Die Abfolge von Spannung, Ladung, Entladung und Entspannung war das Prinzip der Orgasmusfunktion, die Reich entdeckt hatte. Die Abfolge dieser vier Zustände erscheint ihm bald als Motor für die Entwicklung aller bioenergetischer Existenz, als Viertakt der bis hin zu den kleinsten Zellen das Leben antreibt. „Expansion und Kontraktion, diese beiden fundamentalen, einander zugeordneten Funktionen des Orgasmus, schreibt er, „bestimmen z.B. auch die Entwicklung des Embryos." Doch Reich's Vermutung geht noch viel weiter, dass nämlich auch die gesamte vermeintlich unbelebte Natur von der Orgasmusfunktion durchdrungen sei.

 

Woher stammt der unwiderstehliche Drang des männlichen und weiblichen orgonotischen Systems zur Überlagerung?

Wir wollen uns dieser Frage über die Analyse der Bewegung und der Grundformen der Überlagerung nähern. Die folgende Abbildung zeigt eine solche Überlagerung am Beispiel der Verschmelzen zweier Organismen. Sie treffen aus zwei verschiedenen Richtungen aufeinander (1) ziehen sich gegenseitig an (2) kommen in Kontakt bzw beginnen sich zu überlagern (3) vereinigen sich (4) und verschmelzen schliesslich (5). Das Schema lässt sich aber auch generell als Grundform der Überlagerung zweier Orgonströme verstehen (das heisst zweier bioenergetischer Bewegungen). Dadurch weist das Prinzip weit über die Biologie hinaus.


 


Exkurs über die Entstehung von Masseteilchen.

Da sich die Energieströme in der Natur zumeist linear dreidimensional bewegen, wird aus der Spirale in der vorherigen Abbildung die sogenannte Kreisselwelle (Abb. 4).

Einzelne Kreisselwellen können wiederum aufeinandertreffen und sich miteinander überlagern (Abb. 5).

Wenn man die sich nähernden Kreisselwellen nun als energetisch hochgradig erregte Orgonströme betrachtet, lässt sich nach Reich in einfacher Weise die Entstehung von Masseteilchen herleiten. Dazu muss man zunächst voraussetzen, dass der primordiale Orgonenergieozean (den man zur Vereinfachung als Ether beschreiben könnte) vollkommen massefrei ist. Beim Verschmelzen der beiden Ströme kommt es zur Krümmung ihrer Bewegungsbahnen und damit zur Verlangsamung, also zum Verlust von kinetischer Energie. Aus dieser Energie, die ja nun irgendwo hin muss, entsteht ein Masseteichen (Abb. 6).


 


 


 

Ruhemasse entsteht also in der Überlagerung zweier oder mehrerer kreiselnder, spiralisierender Orgonenergieeinheiten durch den Verlust kinetischer Energie und die scharfe Krümmung des verlängerten Pfades zu einer kreisförmigen Bewegung.


Unter Einbeziehug der atmosphärischen Orgonhülle und des galaktischen Orgonstroms lässt sich so auch vergleichsweise einfach das Entstehen von spiralförmigen Wirbelstürmen herleiten oder die Anordnung von Galaxien beschreiben.

Zunächst wollen wir aber noch einmal genauer auf die Formenlehre in Reich's Kosmischer Überlagerung eingehen, um die tiefgreifenden Zusammenhänge der Orgonbiophysik aufzuzeigen.

Dafür isolieren wir zunächst aus einer Kreisselwelle einen einzelnen Wellenabschnitt (siehe Abb. 13 und 14).  Legen wir nun zwei solcher Wellenabschnitte mit den konkaven Seiten zusammen, so erhalten wir die bekannte Form der Ellipse (Abb. 15).

Knicken wir dagegen einen sochen Wellenabschnitt in der Mitte bei A, legen wir ferner die beiden Enden der Kreisselwelle B und B' aneinander, so erhalten wir die Ei-form und damit die orgonomische Grundform: das Orgonom (Abb. 16, 17).

Wir können die beschriebene Operation rein trigonometrisch ausführen, ohne sie orgonphysikalisch zu begründen. Doch die orgastische Zuckung gibt uns ein biophysikalisches Argument zur Hand, das diese trigonometrische Operation mit einer wichtigen Bedeutung erfüllt. Die auffallenste Erscheinung am Orgasmusreflex ist die Bestrebung der beiden Enden des Rumpfes, des Mundes und des Genitals, sich einander zu nähern.

 
 
 

Im Orgasmusreflex versucht der hocherregte Organismus seine beiden Rumpfenden einander zu nähern, als ob er sie vereinigen wollte. Der elastische Körper schnellt jedoch wieder zurück und die Annäherung beginnt von vorn. Dadurch lässt sich z.B. die pulsatorische Strömung der Körperflüssigkeiten oder die zuckende Fortbewegung von einfachen Organismen funktional erklären (18).

 
Die freie Orgonenergie strebt stets über die in sich geschlossene und sie einschließende Membran hinaus. Dadurch kommt es zu einer Streckung des Orgonoms, in der wir die Grundform von jeder Art Wachstum erblicken.

Es sei hier betont, dass es sich bei dem Orgonom weder nur um eine abstraktes Schaubild, noch um das Abbild eines konkreten Lebewesens handelt, sondern um die orgonomische Grundform, die sich deshalb genauso in einem einzelnen Lebewesen abbildet, wie sie als Prinzip die gesamte Natur durchdringt.

 

Das nachfolgende Schaubild verdeutlicht, dass es sich bei dem Orgasmusreflex um eine weit allgemeinere Lebensfunktion handelt, als um die der Befruchtung. Das lebendige Orgonom, sei es nun eine Amöbe, ein Embryo, ein Insekt, oder ein Tier höherer Organisation, ist allgemein dadurch wesenhaft gekennzeichnet, dass:

1. die lokale Fortbewegung stets und gesetzmäßig in Richtung des größeren und breiteren Vorderendes abläuft;
2.  die Genitalorgane stets und gesetzmäßig an der Bauchseite nahe am Schwanzende liegen;
3. im Zustand der orgonotischen Erregung des Orgonoms das Genitalorgan sich durch Erektion in der Richtung der lokalen Fortbewegung streckt, und
4.  die Bewegungen, die die Durchdringung und Verschmelzung des männlichen mit dem weiblichen Genital bewirken, das gesamte Schwanzende in einer höchst energischen Weise nach vorne treiben (Abb. 24).


 
Wir können nun auch die Kopulation der Tiere aus Sicht des orgonomischen Funktionalismus betrachten. Das am Genital konzentrierte und vordringende Orgon kann aus der Membranhülle nicht heraus und wird heftig zurück gezwungen. Es gibt nur EINE Möglichkeit, in der intendierten Vorwärtsrichtung auszuströmen: DURCH EINE VERSCHMELZUNG MIT EINEM ZWEITEN ORGANISMUS. Die Erregungsrichtung des zweiten Organismus deckt sich mit der Richtung der Orgonwellen im Ersten. Dies ist nun tatsächlich in der orgonotischen Überlagerung erfüllt, wie in Abbildung 25 deutlich wird. Wir sehen, dass bei der Überlagerung der beiden Orgonome und Durchdringung der Genitalien das bedrängte und daher „unbefriedigte" Schwanzende seine orgonotischen Erregungswellen in der natürlichen Richtung ablaufen lassen kann; es muss sich nicht mehr scharf umbiegen und der Raum, in den die Wellen einströmen können, weitet sich.

Der Überlagerung folgt die orgonotische Durchdringung. Die präorgiastische Körperbewegungen und insbesondere die orgiastischen Zuckungen stellen extreme Versuche der freien Orgonenergie beider Organismen dar, miteinander zu verschmelzen, ineinander zu gelangen.
Indem nun die Energie des einen Organismus sich in das Energiesystem des zweiten Organismus ergießt, gelingt es dem freien Orgon tatsächlich, die Grenzen des Organismus zu überschreiten und, mit einem zweiten orgonotischen System verschmelzend, zu schwingen (Abb. 25).
 

Wenden wir uns nun den makrokosmischen Phäomenen der orgonotischen Überlagerung zu.
Obwohl Details dieser Wachstumsprozesse noch im Dunkeln liegen, hat die klassisch astrophysikalische Forschung doch bereits – wenn auch unwissentlich gezeigt (schreibt Reich 1949) – dass bestimmte galaktische Systeme durch die Überlagerung zweier kosmischer Orgonenergeströme erzeugt werden. Die meisten Spiralgalaxien weisen zwei oder mehr Arme auf, die zum „Kern" des gesamten Systems hin zusammenlaufen.
 

Hier scheinen zwei kosmische Orgonenergieströme aus fast entgegengesetzter Richtung im Raum aufeinanderzuzufliessen (Abb. 33/34). Wie unser eigenes Sternensystem, die „Milchstrasse", weist auch dieses noch unverkennbar die Spiralform mit zwei Armen auf.

In Abbildung 35/36 erfolgt die Annäherung aus fast genau entgegen gesetzter Richtung und auf einer parallel verlaufenden Bahn (Annäherungswinkel 180 Grad).
 

Diese Beispiele mögen für's Erste genügen (schreibt Reich), um zu verdeutlichen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass unsere Arbeitshypothese von der Entstehung der Spiralgalaxien aus der Überlagerung zweier oder mehrerer  Orgonströme zutrifft. Demnach wären also nicht Materie, Masseteichen oder Staub der „Urstoff", aus dem sich die Galaxien bilden, sondern die primordiale Orgonenergie. Natürlich stehen diese Hypothesen im Widerspruch zu der Atomtheorie, die Materieteilchen in Form von „kosmischem Staub" an den Beginn der kosmischen Schöpfung stellt. Die orgonomische, energetische  Hypothese setzt voraus, dass im Mikrokosmos durch die Überlagerung aus Orgonenergie Materie entsteht, so wie im Makrokosmos durch Überlagerung die gesamte Galaxie erzeugt wird.